Unsere Lehrer
Unsere Lehrer
Verblasst, aber nicht vergessen. Erinnerungen an unsere Lehrer.
Tünnes (Latein)
Unser respektierter, über uns herrschender und wirkungsvoller Lateinlehrer in der Unterstufe war „Tünnes“ Möller. Er war wie viele unserer Lehrer zurückgekehrter, verwundeter Kriegsteilnehmer. Er war wohl Panzerführer im Osten gewesen. Seine oft laute, aber dabei nie verletzende, irgendwie dann auch wieder gutmütige Art hat uns die lateinische Grammatik und die Grundzüge von Deklination und Konjugation bleibend beigebracht. Manchmal auch brachial. Wer erinnert sich nicht an diese grünen und blauen Schemata an der Wand, die der Veranschaulichung von Verben und Substantiven dienten: Ein Hinweis mit dem Zeigestock, ein deutlich gerufenes (gebrülltes) Verb im Infinitiv, etwa: „ESSE“ und dann auf den entsprechenden Farbblock gedeutet - der entsprach dann etwa der 3. Person Konjunktiv Präsens: die Klasse musste dann im Chor antworten: „SIT“.
Er war aber auch mein Schrecken in der Unterstufe. Denn schon von der Aufnahmeprüfung her hatte ich gehörig Respekt vor ihm. Und das kam so: Die Prüfung war wohl zur Hälfte vorüber, und es gab eine Pause, in der die Kandidaten sich auf dem Schulhof versammeln mussten. Ich besaß aber die Kühnheit, nicht mit auf den Schulhof zu gehen, sondern im Klassenraum sitzen zu bleiben, ein fröhlichen Liedlein auf den Lippen, pfeifend. Ich muss wohl mit dem bisherigen Ablauf der „Prüfung“ zufrieden gewesen sein.
Plötzlich stand Tünnes in der Tür. Massige und unübersehbare Macht. Mir stockte der Atem und das Liedlein. „Raus hier“ brüllte er, und niemand hat wohl vorher und nachher einen kleinen Kerl so schnell die Flucht ergreifen sehen, wie mich zu diesem Zeitpunkt. er hat mir Angst eingejagt, pädagogisch wohl nicht übermäßig klug, aber effektiv. Doch mein ängstlicher Respekt vor ihm war nun für immer vorhanden. Übrigens wurde ich nur ein durchschnittlicher „Lateiner“!
Günter Hennersdorf, 9.5.2011